Es ist warm draußen, der 26.März 2019, am Flughafen von Gran Canaria. Susi, bis dato wusste ich gar nicht ihren Namen, hatte mich fünf Minuten zuvor angerufen, fluchend, dass sie zu spät kommen würde, da sie in Hundescheiße getreten sei. »Das passiert mir auch nur einmal im Jahr, sonst kenne ich die Stellen, wo sie hinscheißen …«, so begrüßt mich Susi, eine Frau Anfang 50. Um den Hals trägt sie ein Lederband mit einem Ring. Da sie nie verheiratet war, vermute ich es handelt sich um ein Accessoire. Zwei Strähne von ihrem rot-gefärbten Haaren fallen ihr in die Stirn, während sie redet versucht sie diese hinter ihre Ohren zu streichen, vergebens, immer und immer wieder fallen diese in ihr braungebranntes, leicht mürrisch und verwirrt wirkendes Gesicht.  Wir fahren durch die Nacht, ein Kreisel, ein weiterer, eine rote Ampel übersehen wir dabei. Aber es ist nachts und die Stadt scheint kaum noch wach zu sein. Das Auto riecht nach Hund und gegorener Milch. »Das ist mein Tiertransporter, dafür schäme ich mich schon am Meisten…« wirft sie ein, als ich mich umsehe. Susi biegt links in einen dunklen Weg ein, das Licht der Strasse entfernt sich, Lichter am Horizont und Minuten später rast eine Ryanair Maschine über unsere Köpfe hinweg. Vor uns baut sich in den Autoscheinwerfern ein großes Tor auf. Als wir aussteigen werden wir von Gebell empfangen, an der Pforte, die mit zwei Schlössern gesichert ist, tummeln sich verschiedenfarbige Laiber im Halbschatten der Lampen des Hauses. Susi führt mich zu meinem Schlafzimmer, das alte Kinderzimmer ihrer Töchter, auf dem Hochbett sitzen drei Kuscheltiere und starren in die Leere, draußen kläfft ein Hund und ich bin ein wenig überwältigt. Wo ist die Finca, die ich mir vorgestellt habe, die Utopie in der Natur, wo zwölf Hunde durch den Garten springen? 

Ou-Tòpos – Teil 4 // Gran Canaria, Spanien 2019